Was ist Naikan?

Naikan ist eine einfache Methode, mit der eine intensive Selbstreflexion gelingt. Das Wort "NAIKAN" kommt aus dem Japanischen und bedeutet übersetzt "nai" = innen, "kan" = beobachten. In der Regel wird Naikan ins Deutsche mit "Innenschau" oder "Innere Beobachtung" übersetzt.

Die Naikan-Methode wurde von Ishin Yoshimoto (1916-1988) in Japan entwickelt und ermöglicht durch ihre Einfachheit tiefe Einsichten in unser Sein.

Drei Elemente werden bei Naikan miteinander kombiniert:

  • Die Kraft der Stille: Ein ruhiges Umfeld fördert Konzentration und Wahrnehmung.
  • Ordnung im Innenleben schaffen: Drei Fragen bringen Ordnung in unsere Vergangenheit und lassen uns die eigenen Handlungsmöglichkeiten in Gegenwart und Zukunft klar erkennen.
  • Sanfte, respektvolle Begleitung: Naikan-Leiter/innen bewerten nicht und unterstützen jeden Menschen individuell.



Die Naikan Methode - Eine Einführung
Johanna Schuh
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Ablauf von Naikan

Als Naikan-Übende/r betrachte ich in Ruhe eine Bezugsperson (Mutter, Vater, Geschwister, Partner...) oder ein Thema in einem bestimmten Zeitabschnitt meines Lebens.

Die Naikan-Übung beginnt immer mit der Betrachtung der Mutter oder jener Person, die die Mutterrolle übernommen hatte. Ich gehe chronologisch vor, sodass ich als ersten Abschnitt den Zeitraum betrachte, in dem ich 0-7 Jahre alt war. Ich betrachte konkrete Ereignisse, an die ich mich erinnern kann.

Ich stelle mir immer folgende 3 Naikan-Fragen:

  1. Was hat diese Person in diesem Zeitabschnitt für mich getan?
  2. Was habe ich in diesem Zeitabschnitt für diese Person getan?
  3. Welche Schwierigkeiten habe ich dieser Person in diesem Zeitabschnitt verursacht?

Zu Beginn wähle ich als Bezugsperson die Mutter. Ich versuche mich an die ersten Lebensjahre zu erinnern, forsche nach Erinnerungen im Zusammenhang mit meiner Mutter und ordne diese Erinnerungen den 3 Naikan-Fragen zu. Für eine Reflexionsperiode nehme ich mir etwa 60 bis 90 Minuten Zeit, die ich ungestört auf meinem Übungsplatz verbringe. Dabei gibt es keine vorgeschriebene Sitzhaltung.

Am Ende jedes Zeitraumes kommt ein/e Naikan-Begleiter/in zu einem kurzen Einzelgespräch zu mir. Bei diesem Naikan-Gespräch berichte ich kurz, was ich zu den 3 Naikan-Fragen gefunden habe.

Danach betrachte ich wieder in Ruhe und ungestört den nächsten Zeitabschnitt von etwa 4 Jahren. Auf diese Weise strukturiere ich die Erinnerungen vom Anfang bis zur Jetztzeit oder bis zum Zeitpunkt, da die zu betrachtende Person aus meinem Leben verschwunden ist.

Ich folge also meinem eigenen Lebensweg und praktiziere Naikan: Zuerst ordne ich meine Erinnerungen in Bezug auf meine Mutter ab der ersten Erinnerung bis heute, danach in Bezug auf Vater, Geschwister, Großeltern, Partner, Freunde, Kollegen, Themen... Welche Personen und Themen bearbeitet werden ist individuell verschieden.

Mit dieser Methode erschließe ich mir innerlich wieder den Reichtum dessen, was ich erlebt habe. Naikan dauert in der klassischen Form eine Woche.

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Die Kraft der Stille

Ganz bewusst ziehe ich mich aus dem lauten Alltag voller Anforderungen und Ablenkungen in ein ruhiges meditatives Umfeld zurück.

Die Stille ermöglicht, dass tiefe innere Schichten für mich wieder wahrnehmbar werden. Gleichzeitig sorgt die strukturierte Naikan-Fragestellung für Ordnung in meinem Geist. Die Kombination dieser beiden Aspekte bewirkt, dass ich mich bei dieser Innenschau wieder und neu entdecke.

In diesem Sinne ist Naikan ein intensives Wahrnehmungs- und Achtsamkeitstraining.

Während der gesamten Naikan-Übung nehme ich keinen Kontakt mit den anderen Übenden oder mit der Außenwelt auf. Ich spreche während der Naikan-Übung nur mit den Naikan-Leiter/innen. Erstens wird dadurch die Konzentrationsfähigkeit gesteigert, damit Erinnerungen leichter an die Oberfläche kommen können. Zweitens bietet der Platz einen geschützten Raum, um aufsteigende Emotionen erleben und annehmen zu können.

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Das Setting

Damit ich mich ganz auf meine Innenschau einlassen kann und die anderen Übenden nicht störe halte ich mich während der Naikan-Übung an folgende Vereinbarungen: kein Lesen, kein Radiohören, kein Fernsehen, kein Handy, keine Kontaktaufnahme mit Personen außerhalb des Naikans, untereinander Schweigen.

Darüber hinaus gibt es im Naikan keine Vorschriften, sondern lediglich Empfehlungen. Es gibt zum Beispiel die Empfehlung, möglichst viel Zeit auf dem Übungsplatz zu verbringen, weil dies wie bereits beschrieben Schutz und bessere Konzentrationsfähigkeit gewährleistet. Es ist jedoch jederzeit möglich, den Übungsplatz zu verlassen, sei es, um ein wenig an die frische Luft zu gehen oder Tee zu trinken oder eine Zigarette zu rauchen.

Essen und Trinken: Es stehen während des Naikan-Seminars immer Getränke und Obst bereit, die ich mir jederzeit nehmen kann. Frühstück, Mittag- und Abendessen bringen die Naikan-Leiter/innen auf einem Tablett zu meinen Übungsplatz.

Naikan-Übungsplatz: Im Insightvoice Naikan Center Vienna gibt es ein Naikan-Einzelzimmer. Fotos vom Raum finden Sie hier

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Sanfte, respektvolle Begleitung

Beim Naikan werde ich von dazu ausgebildeten Naikan-Leiter/innen begleitet. Sie sind dafür zuständig, dass ich ungestört bin und dass ich mit allem versorgt bin, was ich brauche.

Ein Naikan-Einzelgespräch ist eher kurz, 5-10 Minuten genügen im Idealfall. Ich führe pro Tag etwa 8 bis 10 Naikan-Gespräche, in denen ich der Naikan-Leiterin Erinnerungen mitteile, die ich den drei Naikan-Fragen zugeordnet habe.

Anfangs ist die Art des Naikan-Gesprächs meist ungewohnt, weil die Naikan-Leiter/innen einfach nur zuhören: Sie bewerten nicht, beurteilen nicht, loben nicht, kritisieren nicht, fordern nicht, drängen nicht... Naikan-Leiter/innen hören einfach zu, mit voller Aufmerksamkeit, mit ganzem Bewusstsein, mit Verstand und Herz. Alles darf sein, was sich zeigt.

Wenn Fragen auftauchen, kann ich sie den Naikan-Leiter/innen stellen. Sie geben mir Unterstützung, wenn ich sie brauche. Selbstverständlich unterliegt das Mitgeteilte der Schweigepflicht.

Die Selbstverantwortung steht im Vordergrund. Jeder Mensch kennt sein Leben selbst am besten. Die Naikan-Leiter/innen begleiten jeden Menschen individuell bei der Selbsterforschung und bieten einen Rahmen, so dass Menschen ihre eigenen Potenziale und Fehler wahrnehmen können, um daraus zu lernen.

Das, was wir ändern können und wollen, soll uns bewusst werden.Das, was wir waren, sind und sein können, können wir wahr- und annehmen.

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Was ist das Ziel?

Alle, die Naikan praktiziert haben, fühlen sich reicher, entspannter und friedlicher. Sie sind erstaunt und voll Freude, weil sie vieles an positivem Erleben wieder entdeckt haben.

Das Ziel von Naikan ist, sich selbst und alles, was uns umgibt, immer vollständiger wahrzunehmen. Es mag nicht immer bequem sein, sich selbst in immer feineren Ebenen und vielschichtigeren Aspekten wahrzunehmen. Doch das macht uns erst vollständig und ermöglicht uns, hier und jetzt in Frieden zu leben.

Effekte von Naikan sind:

  • Schärfung der Wahrnehmung
  • Frieden mit der Vergangenheit
  • Akzeptieren der Lebensgeschichte
  • Überwindung von negativen Mustern
  • Klärung von Gefühlen
  • Erkennen der eigenen Möglichkeiten
  • Entspanntere Sicht auf Probleme
  • Sich selbst akzeptieren
  • Verständnis für Andere entwickeln
  • Stärkung des Selbstvertrauens
  • Eigenverantwortung
  • Freiheit im eigenen Handeln
  • Zufriedenheit und Glück

Es gibt viele Lernschritte auf dem Weg zu innerem Frieden. Jeder Mensch ist einzigartig, deshalb ist der Effekt von Naikan individuell verschieden. Es geht darum, dass wir uns selbst und die Welt so wahrnehmen lernen, wie sie sind, und nicht so, wie wir sie sehen wollen oder sollen.



Frieden erleben mit Naikan
Johanna Schuh
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Entstehung von Naikan

Die Naikan-Methode wurde in Japan von Ishin Yoshimoto (1916-1988) entwickelt.

Herr Yoshimoto war einerseits erfolgreicher Geschäftsmann und andererseits ein tief religiöser Mensch. Beide Aspekte seiner Persönlichkeit bildeten das Fundament für die Naikan-Methode.

Der spirituelle Hintergrund:

Herr Yoshimoto war gläubiger Buddhist der Jodo-Shin-Schule. Er suchte auf seinem spirituellen Weg viele Lehrer auf und unterzog sich verschiedenen buddhistischen Übungen. Eine strenge buddhistische Übung, die er mehrmals praktizierte, war Mishirabe. Bei Mishirabe zieht man sich zurück, man isst nicht, trinkt nicht, schläft nicht, und stellt sich nur die Frage nach dem Sinn des Lebens: Wohin gehe ich nach dem Tod? Ishin Yoshimoto fand nach mehrmaliger Übung die Antwort, in buddhistischen Worten: Er fand Satori, Erleuchtung.

Es entstand in ihm das tiefe Bedürfnis, eine Praxismethode zu finden, die für alle Menschen machbar ist und bei der man tiefe spirituelle Erfahrungen machen kann, ohne wie bei Mishirabe den Körper strengen Entbehrungen zu unterziehen. Außerdem wollte er eine Methode entwickeln, die an keine Religion gebunden ist.

Der wirtschaftliche Hintergrund:

Bei der Entwicklung der Naikan-Methode griff er auf seine Erfahrungen als Geschäftsmann zurück. Im Betrieb führt man Buch über Einnahmen und Ausgaben, man kontrolliert, ob die Bilanz ausgeglichen ist. Dieses Prinzip legte er auf soziale Beziehungen um: Was habe ich von einem Menschen bekommen, was hat er für mich getan? Was habe ich ihm gegeben, für ihn getan?

Wie Herr Yoshimoto die dritte Naikan-Frage entwickelt hat, ist nicht historisch belegt. Vielleicht hat auch sie ihren Ursprung im geschäftlichen Denken, denn man überprüft im Unternehmen ebenfalls, welche Schwachstellen und Störfaktoren es gibt. Daraus könnte man die Frage ableiten: Welche Schwierigkeiten habe ich einem Menschen verursacht?

Eine andere Version lautet, dass die Entwicklung der dritten Naikan-Frage ebenfalls auf die buddhistische Geisteshaltung zurück geht. Im Shin-Buddhismus heißt es, dass man sich der Hölle in der eigenen Seele stellen muss, und je stärker sich das Ego dafür schämt, desto eher tritt es zur Seite und lässt die „andere Kraft“ zu. Die dritte Naikan-Frage kann man auch als direkten Blick auf die eigenen Schattenseiten sehen: Welche Schwierigkeiten habe ich demjenigen bereitet, gegenüber dem ich mich prüfe?

Verbreitung von Naikan

Ishin Yoshimoto leitete Naikan zuerst mit seinen Angestellten. Naikan verbreitete sich ab 1955 in japanischen Gefängnissen. Ishin Yoshimoto leitete sein Naikan-Zentrum gemeinsam mit seiner Frau Kinuko Yoshimoto. Anfang der 70er Jahre entstanden in Japan weitere Naikan-Zentren, in den späten 70er Jahren kam Naikan nach Europa. Vor allem Prof. Akira Ishii ist es zu verdanken, dass Naikan in vielen Ländern der Welt bekannt wird.



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